"Genau die richtige Größe für eine gute Show"
Artikel aus "Boulevard Schweinfurt", erschienen im Februar 2007, Autor: Andreas Ritter

 

Wenn's ums Image geht, hat der Stattbahnhof bei den Schweinfurtern nicht gerade die besten Karten. Verraucht, verrucht, verwahrlost – viele Vorurteile haben sich in den Köpfen festgesetzt. Dabei steckt hinter den Mauern des alten Bahnhofs mehr als viele wissen.

Auf der Liste der 50 besten Alternative-Clubs in Deutschland, herausgegeben vom Musikmagazin „Visions“, hat der Stattbahnhof einen festen Platz neben berühmten Räumlichkeiten wie „Wild At Heart“ oder „SO36“ in Berlin, „Batschkapp“ in Frankfurt oder „Grünspan“ in Hamburg. In Bayern können da nur „Atomic Café“ und „Backstage“ in München sowie der „Hirsch“ in Nürnberg mithalten.

„In der Szene hat der Stattbahnhof einen sehr guten Ruf“, weiß Steffen Rose aus Wertheim. Seit mehr als zehn Jahren organisiert er mit seiner Firma „Navigator Productions“ Konzerte im Stattbahnhof und in dessen Vorgänger, der „Schreinerei“.

Erstaunlich ist nicht nur die Menge an Bands, die dort gastierten, sondern auch deren Bekanntheitsgrad: The Hives, Turbonegro, Tomte, Rancid, Die Toten Hosen, NOFX oder Sick Of It All – alles Stars der Punk-, Hardcore-, Rock-Szene.

 

Schlechte Erfahrungen mit Fanta 4

Daneben bemüht sich der Stattbahnhof in den vergangenen Jahren verstärkt, Musikbegeisterte aus anderen Bereichen anzulocken. „Schließlich heißt es Kulturhaus, nicht Hardcore-Haus“, sagt der Vorsitzende des Stattbahnhofs, Flo Streibich. So standen neben dem hessischen Comedy-Duo Mundstuhl auch Soul-Sängerin Marla Glen, Bluesgitarrist Louisiana Red, Slade, Ten Years After oder die Yardbirds auf der Schweinfurter Bühne. Darüber hinaus gibt es immer wieder Lesungen, Theater- oder Filmabende.

Auch die HipHop-Gruppe Die Fantastischen Vier aus Stuttgart war schon zu Gast. An sie hat man allerdings keine allzu guten Erinnerungen, zumindest was ihren zweiten Besuch in Schweinfurt angeht. Lange vor ihrem ersten Hit engagiert, sagten sie wenige Tage vor ihrem Auftritt in der „Schreinerei“ ab: Ihr Song „Die da“ war soeben in den Charts gelandet, lief im Fernsehen. Da hatte man kein Interesse mehr an dem kleinen Club. „Es ist schon manchmal schade: Du bereitest einer Band den Weg, und wenn sie es geschafft hat, wechselt sie das Management oder die Plattenfirma. Bei denen ist Schweinfurt dann einfach nicht mehr auf der Landkarte“, sagt Steffen Rose.

Das ist nicht immer so. Einige Bands kommen immer wieder. „Wir spielen gerne dort“, sagen die US-Punkrocker Bouncing Souls über den Club. „Es gibt leckeres Essen, die Leute kümmern sich prima um uns und geben uns das Gefühl, zu Hause zu sein. Das bedeutet sehr viel für eine Band, die auf Tour ist.“

Das geht so weit, dass Musiker kommen, obwohl sie gar keinen Auftritt dort haben. So saßen im Sommer überraschend die Mad Caddies aus den USA im Biergarten. Pennywise aus Kalifornien spielten auf ihrer Tour 2005 nur drei Shows in Deutschland, eine davon im Stattbahnhof. Grund: „Die Band hatte Bock auf Schweinfurt“, sagt Rose. Kein Wunder, dass bei Konzerten oft Autos aus Frankfurt, Stuttgart oder München vor der Tür stehen. „Viele Gruppen sagen schon: Schweinfurt muss auf den Tourplan“, so Rose. Und auch die Agenturen wüssten, dass alles – Essen, Sound, Getränke, Übernachtung, Publikum – stimmt.

 

Eine rege regionale Band-Szene

Noch einen Vorteil hat der Club: die Kneipe neben dem Konzertsaal. „Der Stattbahnhof steht dadurch ganz anders da als große Hallen, in denen Bands einfach nur abgefertigt werden“, weiß Rose. So sind nicht nur die Bouncing Souls nach ihrem Auftritt an der Theke hängen geblieben, auch Exploited-Sänger Wattie Buchan, Punkrock-Urgestein, ließ dort den Abend bei ein paar Drinks ausklingen. Oft stehen Bands auf der Bühne, die gerade auf dem Sprung sind, deren Videos es noch nicht im Fernsehen zu sehen gibt. Bevor Metalcore-Combos wie Walls Of Jericho, As I Lay Dying oder Heaven Shall Burn in die Charts kamen, gaben sie Konzerte in Schweinfurt.

Es sind aber nicht nur Bands von außerhalb, die im alten Bahnhof spielen. Auch in der Region hat sich eine vitale Band-Szene entwickelt, die von den Auftrittsmöglichkeiten profitiert. „Wir wollen jungen Bands, die Gelegenheit geben, vor größerem Publikum zu spielen“, sagt Streibich. Die jährliche „First Act Night“, in diesem Jahr am 10. März, ist nur ein Beispiel. „Manche Leute fangen erst jetzt an zu sehen, was hier kulturell getan wird, neben Museum Georg Schäfer, Theater oder Disharmonie“, so Rose. „Andere Städte wären froh, wenn sie so ein Programm hätten.“

Ein Auftritt allerdings musste im Vorfeld streng geheim bleiben: Vor rund fünf Jahren standen Die Toten Hosen auf der Bühne, spielten im Stattbahnhof auf einer Hochzeit. Damit nicht Hunderte von Fans vor der Tür warteten, weihte man nur Mitarbeiter und Stammgäste ein. Die Hosen waren da schließlich schon längst eine große Nummer. Viele Bands, die heute im Schweinfurter Stattbahnhof spielen, müssen das erst noch werden.

Achtung - wichtig

SOMMERPAUSE

Die Stattbahnhof-Kneipe hat SOMMERPAUSE vom 04.08. bis 07.09.!!!
Wir öffnen wieder regulär am Freitag, den 08.09.!

Hier sind wir

Kulturhaus Stattbahnhof

Alte Bahnhofstraße 8-12

97422 Schweinfurt

Tel. Kneipe: 09721-16661

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